
1909 - 1999
90 Jahre Freiwillige Feuerwehr Weiler
Geschichte des Feuerlöschwesens in Weiler
Der 7. März 1909 ist der eigentliche Gründungstag der Freiwilligen Feuerwehr in Weiler. Tatkräftige, pflichtbewusste Männer hatten sich damals zusammengetan, um den Brandschutz im Dorf zu übernehmen. An dem genannten Tage hatte man in einer Hauptversammlung eine Satzung beschlossen, in welcher die Rechte und die Pflichten der Wehr niedergelegt waren. Grundlagen für diese Satzung waren wohl die „Preußische Landgemeindeordnung“ vom 3. Juli 1891 und die „Grundsätze für die Regelung für Bürgerfeuerwehren“ des preußischen Innenministeriums vom 28.12.1898. Damals war es den Gemeinden noch freigestellt, eine eigene Feuerwehr zu Gründen und zu unterhalten, andernfalls oblag der Feuerschutz der zuständigen Polizei.
Die Satzung vom 7. März 1909 überliefert uns auch die Namen der Mitglieder des ersten Vorstandes :
Der Brandmeister : Peter Ludwig III
Sein Stellvertreter : Andreas Kugel
Die Abteilungsführer :
Spritzenabteilung : Andreas Steinberger
Stellvertreter : Andreas Kugel
Steigerabteilung : Wilhelm Massing
Stellvertreter : Johann Gutfreund
Ordnungsabteilung : Martin Stumm II
Stellvertreter : Heinrich Haßling
Zeugmeister : Peter Altenhofen II
Schriftführer : Peter Klein
Kassenführer : Andreas Mattes
Sonstige Gründernamen sind leider nicht überliefert.
Brandbekämpfung vor Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
Eine Feuerwehr gab es in der Form, wie wir sie jetzt kennen, früher nicht. In einer Zeit, in welcher die enge Bebauung, wie wir sie jetzt noch im Ortskern in Weiler (Hildegardisstrasse, Hofstrasse, Niederstrasse, Grabenstrasse, Im Gässel und in den drei“Winkeln“) haben, eine Feuersbrunst begünstigte, war der Löschdienst von besonderer Bedeutung. Das trifft vor allem auch auf die Zeiten zu, in denen es, besonders auf den Dörfern, noch keine Wasserleitung gab. Es braucht auch für Weiler nur an die heute teilweise nicht mehr vorhandenen Fachwerkbauten erinnert zu werden, deren Baugerippe aus vierkantig zugehauenen Balken bestand und deren Füllung mit Holzgeflecht ausgefüllt und mit einer Lehm- und Strohmischung verschmiert und verputzt waren. Dazu kam noch das offene Feuer auf dem gemauerten Herd, das Tag und Nacht unterhalten werden musste, und die Kienspanlichter, später die Unschlittlichter, zuletzt, vor Einführung des elektrischen Lichtes, auch die Petroleumlampen. Wen wundert es da nicht, dass es oft zu Feuersbränden kam! Wie oft brannten dann ganze Straßenzüge nieder! Erinnert sei hier nur der größte Brand des 19. Jahrhunderts, der Brand der Hansestadt Hamburg 1842. Ihm fielen neben öffentlichen Gebäuden, wie Kirchen, Schulen, Amtsgebäuden, 4219 Wohnhäuser in 75 Straßen-Zügen zum Opfer. Hundert Menschen kamen ums Leben, 33.000 wurden obdachlos. Ein Drittel der Stadt, der wichtigste und wertvollste Teil, wurden vernichtet.
Nun scheinen allerdings größere Brände in den letzten 200 Jahren kaum Zerstörungen in Weiler angerichtet zu haben, da sonst im Ortskern nicht so viele alte Häuser erhalten wären. Es sind auch nur wenig Berichte über Hausbrände aus den letzten hundert Jahren überliefert. Das lag sicher an der großen Vorsicht unserer Vorfahren. Es galten damals aber auch strenge Vorschriften, die von den Landesherren erlassen waren. So hatte der Amtmann in Bingen, nach einer großen Feuersbrunst, im Jahre 1540 eine Feuerordnung erlassen, die teilweise auch für Weiler galt und von Zeit zu Zeit vor versammelter Bürgerschaft verlesen wurde. Weiler gehörte damals ja eng zur Stadt Bingen und wurde von dort aus auch verwaltet.
So war es, noch bis in unsere Zeit, Aufgabe des Nachtwächters, des Feldschützen und des Polizeidieners, Feuergefährdete und feuerverdächtige Orte und Gebäude regelmäßig zu beaufsichtigen; Schornsteine und Backöfen wurden wegen ihrer Feuergefährlichkeit besonders scharf überwacht. Durch den mitternächtlichen Ruf des Nachtwächters wurden die Bürger an ihre Pflichten erinnert, wie das Nachtwächterlied überliefert :
Hört, ihr Leut´, und lasst euch sagen:
unsre Glock hat 12 geschlagen!
Bewahrt das Feuer und das Licht,
Dass unsrer Stadt kein Leid geschieht!
In der Feuerordnung des Binger Amtmannes war auch festgelegt, welche Aufgabe jeder Bürger im Falle eines Brandes zu übernehmen hatte. Als unser Heimatgebiet nach 1815 preußisch wurde, regelte das „Allgemeine Landrecht“ nach ähnlichen Gesichtspunkten das Feuerlöschwesen.
Wenn ein Brand ausbrach, wurde dies durch die „Sturmglocke“ angezeigt. Es war dies eine der Kirchenglocken, die dann nicht mit Schwung, sondern mit Einzelanschlag geläutet wurde. Dann mussten alle erwachsenen Bürger von Weiler, Männer und Frauen, zum Brandort kommen und bei den Löscharbeiten helfen. Da keine Wasserleitung vorhanden war, wurde das Wasser aus einem dem Brandherd nahe gelegenen „Brandweiher“ entnommen. Weiler hatte deren drei :
Einer lag an der Ecke, die von der Hildegardisstrasse und der Hofstrasse gebildet wird, heute ein Parkplatz mit einem Lindenbaum. Er hieß „Die Bach“ - noch bis in unsere Zeit. Das Bassin war rechteckig ausgemauert und etwa zwei Meter tief. Rund um das Bassin war ein Umgang. Zur Trift hin war das Becken durch eine dicke, aus Bruchsteinen erbaute, etwa 1,50 Meter hohe Mauer abgegrenzt. Diese stand noch bis etwa 1938, als das Becken schon längst zugeworfen war, allgemein als „Bachmauer“ bekannt. Da sie die Durchfahrt von der Trift und der Hofstrasse in die Hildegardisstrasse am Gasthaus Scheid vorbei behinderte, wurde sie bei Pflasterung der Hildegardisstrasse abgebrochen. Nach der Hildegardisstrasse hin war das Wasserbecken mit einem eisernen Gitter und einem eisernen Tor abgeschlossen. Am Ende der „Bachmauer“ stand der „Röhrbrunnen“, wo die Anwohner ihren Wasserbedarf decken konnten. Ein zweiter Brandweiher lag an der Abgrenzung der Grabenstrasse - Hofstrasse (früher das sog. „Kathas Haus“). Der dritte Brandweiher befand sich in der Einfahrt zum Hause Flasch an der Grabenstrasse, gegenüber der ehemaligen Bäckerei Dehlzeit.
Die Einwohner bildeten bei einem Brand eine Kette, die vom Brandweiher bis zum Brandherd reichte. Am Brandweiher wurden Wassereimer gefüllt und eiligst von einem zum anderen bis zum Feuer weitergereicht, so wie es schon Schiller in seinem „Lied von der Glocke“ schilderte :
Durch der Hände lange Kette
um die Wette
fliegt der Eimer, hoch im Bogen
spritzen Quellen, Wasserwogen.
Zuletzt wurden Zinkeimer verwendet, die von der Gemeinde angeschafft und an sicherem Ort griffbereit aufbewahrt wurden. Früher wurden Ledereimer verwendet. Vor 1794 musste jeder, der sich als neuer Bürger in Weiler niederlassen wollte und vorher von dem Rat der Stadt Bingen das Bürgerrecht erhielt, als „Einstand“ einen solchen Ledereimer, auch „Feuereimer“ genannt, stiften oder einen entsprechenden Geldbetrag für die Beschaffung zahlen.
Die Gründung im Jahre 1909
Diese Art des Einsatzes aller Bürger von Weiler bei einem Brand endete mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Nachdem der Ort mit einer Wasserleitung ausgestattet war, konnten auch für die Wehr entsprechende Geräte, so eine von Hand betriebene Spritzenpumpe und die dazu notwendige Anzahl Schläuche beschafft werden. Die Pflichten und Rechte der Wehr waren in der Satzung von 1909 festgelegt. Es würde sicher zu weit führen, die einzelnen Bestimmungen der Satzung ausführlich zu behandeln.
Die Dienstkleidung war von der Gemeinde zu stellen. Sie bestand aus dunkelblauem Rock mit Rangabzeichen, schwarzer Hose mit roter Biese und blauer Schirmmütze, während der Brandmeister sogar einen verzierten Helm trug.
Die Gliederung der Wehr war militärisch ausgerichtet.
Den Stempel ihrer Entstehungszeit trägt die Satzung in der Bestimmung, dass das Mitglied der Wehr :
„echten Bürgersinn und aufrichtige Königs- und
Vaterlandsliebe zu pflegen habe“.
Entwicklung zum heutigen Brandschutz
Die noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden gesetzlichen Regelungen des Feuerlöschwesens wurden im laufe der Jahre mehrfach abgelöst, geändert und ergänzt. Herausgekommen ist ein zeitgemäßes „Brand- und Katastrophenschutzgesetz“ für Rheinland-Pfalz.
Auch hier würde es zu weit führen, wollte man im Einzelnen auf die Bestimmungen eingehen.
Entwicklung unserer Wehr seit 1945
Es war eine schlimme Zeit, da es an persönlicher und technischer Ausrüstung der Wehr fehlte. Handspritze, fahrbare Schiebeleiter, ein geringer Bestand an Schlauchmaterial, dazu eine kleine Personenschar, nahm den Wiederaufbau in Angriff. Wenngleich die finanziellen Mittel der Gemeinde beschränkt waren, so war es doch möglich, recht bald einen Tragkraftspritzenanhänger anzuschaffen. Mangels eines eigenen Kraftfahrzeuges wurde er von einem Traktor gezogen, leistete aber gleichwohl wertvolle Dienste, bis ein Tragkraftspritzenfahrzeug zu Anfang der 60er Jahre erworben wurde.
Aus dem Erlös der Feier zum 60 jährigen Bestehen der Wehr konnte 1970 ein weiteres Tragkraftspritzenfahrzeug angeschafft werden, so dass die Wehr jederzeit in der Lage war, ausreichenden Brandschutz zu gewährleisten. Der Tragkraftspritzenanhänger musste aber wegen Platzmangels verkauft werden. Mit diesen Fahrzeugen einher ging die Anschaffung wichtiger Ausstattungsgegenstände, Uniformen, Schlauchmaterial, wobei die Wehrleute selbst dank eigener Initiative stets ihren Beitrag leisteten und so den Kostenaufwand der Gemeinde verringerten.
Schon lange vor der Anschaffung des zweiten Fahrzeuges war das alte „Spritzenhaus“ im Backesweg zu klein geworden, so dass man an die Neuerrichtung eines zeitgemäßen Feuerwehrhauses dachte. Trotz begrenzter gemeindlicher Mittel liefen die Planungen im Jahre 1972 an, so dass die Einweihung 1974 erfolgen konnte. Zwar war ein Schulungsraum mit Toilettenanlage und Gebrauchsräumen mit geplant worden, konnte aber wegen des Einspruches der Bezirksregierung nicht verwirklicht werden.
Im Jahre 1973 fasste der Vorstand den Entschluss auch in Weiler eine Jugendfeuerwehr zu gründen. Der Gedanke war damals gar nicht so selbstverständlich, wie dies heute der Fall ist. Besonders die ältere Generation hatte Bedenken Jugendliche den Feuerwehrdienst zuzumuten. Diese Bedenken wurden aber ausgeräumt, dahingehend, dass man sich im Vorstand einigte, Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr bei einem Einsatz nicht einzusetzen. Vom Gesetzgeber her ist es schon ab dem 16. Lebensjahr möglich.
Mit sieben Jugendlichen wurde die Jugendfeuerwehr am 1.1.1974 gegründet. Damit bekam die damalige „Verbandsgemeinde Bingen-Land“ ihre zweite Jugendfeuerwehr.
Der Eifer der Wehrleute ließ nichts unversucht, den lang gehegten Wunsch eines Schulungsraumes mit Sozialräumen zu erfüllen. Im Jahre 1977 konnte mit dem Bau in Eigenleistung begonnen werden. Die Verbandsgemeinde übernahm die Kosten für das gesamte Baumaterial. Die gesamte Errichtung, Aushub der Fundamente, Maurerarbeiten, Elektroinstallation, Holzarbeiten, Verputzarbeiten, Einbau der Sanitär- und Heizungsanlage, wurde in Eigenleistung erbracht. Aus dem Erlös vieler kleiner Festlichkeiten konnte schließlich der Ausbau und die Einrichtung des Raumes bezahlt werden.
Die Wehrleute haben sich einen gemütlichen und zweckmäßigen Raum eingerichtet, der den Aufgaben der Schulung, der Wissensvermittlung, aber auch des gemütlichen Beisammenseins zur Pflege der Kameradschaft dient und bis heute seinen Zweck erfüllt.
Im Jahre 1982 wurde von der Verbandsgemeinde das alte, über 20 Jahre alte Tragkraftspritzenfahrzeug gegen ein moderneres Fahrzeug ausgewechselt, in das vier Atemschutzgeräte eingebaut waren.
Die Ausstattung fast aller Feuerwehren der Verbandsgemeinde mit Atemschutzgeräten, brachte es mit sich, dass eine zentrale Atemschutzwerkstatt zur Reinigung, Pflege und Prüfung benötigt wurde. 1992 begannen die Planungen, diese in Weiler zu errichten. Dazu kam noch die geplante Anschaffung eines Löschgruppen-Fahrzeuges. Beides konnte nur durch umfangreiche Umbaumaßnahmen verwirklicht werden. Diese begannen 1993, wieder wie 1977 mit tatkräftiger Hilfe der Wehrmitglieder. Ein großer Teil des Umbaus wurde wieder in Eigenleistung erbracht.
1993 wurde dann das Löschgruppenfahrzeug bestellt und 1994 geliefert. Die beiden vorhandenen Tragkraftspritzenfahrzeuge wurden in andere Gemeinden unserer Verbandsgemeinde abgegeben. Das neue Fahrzeug besitzt einen eingebauten Wassertank mit 600 Litern Inhalt, eine eingebaute Feuerlöschkreiselpumpe und zwei in Sitze integrierte Atemschutzgeräte, die während der Fahrt angelegt werden können.
Das ständig steigende Interesse Kinder und Jugendlicher an der Jugendfeuerwehr ist sehr erfreulich. Jedoch zeigte sich immer stärker ein Transportproblem so vieler Jugendfeuerwehrmitglieder zu den Übungen, Wettkämpfen und zahlreichen Freizeitbeschäftigungen die im laufe eines Jahres anfallen. In der Nachbarwehr Waldalgesheim bestand die gleiche Problematik. Aus diesem Grund werden beide Feuerwehren ein Transportfahrzeug, mit neun Sitzplätzen, speziell für die Jugendwehren, am 22.8.1999 im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25 jährigen Jubiläum der Jugendfeuerwehr Weiler, übergeben. Dieses Fahrzeug wird durch Werbung finanziert, was es bis jetzt wohl einmalig macht.
Aus der Geschichte des Feuerwehrwesens konnten nur Schwerpunkte aufgezeigt werden, auch musste auf eine Erwähnung der Vielfalt der Einsätze verzichtet werden. Eines ist jedoch festzuhalten, dass im Ernstfalle, aber auch bei den immer wieder regelmäßig stattfindenden Übungen unter Beweis gestellt wird, dass in der Gemeinde Weiler ausreichender Brandschutz, dank einer schlag- und tatkräftigen Feuerwehr, gewährleistet ist.
Die ständigen Neuerungen auf dem Gebiet der Technik haben auch vor den Toren der Feuerwehr nicht Halt gemacht. Es werden an die Wehrangehörigen Wissensforderungen gestellt, die nur durch ständiges Üben und den Besuch von Lehrgängen bewältigt werden können.
Die Geschichte des Feuerlöschwesens wurde erstmals von unserem Ehrenbürger der Gemeinde, Herrn Hermann Josef Stipp im Jahre 1969 erstellt und 1984 von Adam Schmitt ergänzt. Auf diesen Darstellungen aufbauend mussten Änderungen vorgenommen werden, die aufgrund gesetzlicher Neuordnungen, aber auch durch den Gang der Geschichte erforderlich geworden sind.